• Bildergeschichten - JuMoRa

Ohne mich!

Aktualisiert: März 7

Manche hängen sich kleine Post-it-Zettelchen an den Spiegel, die sie daran erinnern sollen, gelassen zu bleiben. Ich habe dieses Bild gemalt.




Um mich herum strebt alles nach oben: Höher, schneller, weiter, besser, schöner. Fragmente aus steilen Wolkenkratzern schießen rundherum wie Grashalme aus dem Boden und zeugen vom Lebensstil unserer Industrienationen und ihrem Drang, alles zu optimieren. Immer noch effektiver. Wachstum. Mehr. Und noch mehr. Und noch viel mehr.


Und mittendrin liege ich - zufrieden, dick und unverschämt lässig. Dabei liege ich nicht horizontal da, wie Ophelia von Millais, denn ich fühle mich nicht etwa tot oder sterbensmüde. Nein, ich befinde mich tatsächlich in der dynamischen Diagonale, obgleich ich doch liege. Mit einem Lächeln auf den Lippen und auf dem Bauch gefalteten Händen. Die Haare auf eigentümliche Art gelöst, so, als würde ich schweben. Oder wäre abgetaucht und würde mich im Wasser treiben lassen. Irgendwohin.


Es ist verdammt schwer, sich nicht anstecken zu lassen vom Optimierungswahn unserer Zeit. Sich nicht zu vergleichen. Sich nicht in Perfektionismus zu versteigen. Es ist schwierig, diesem Drang zu widerstehen, denn es ist verführerisch:

Von innen sieht das Hamsterrad aus wie eine Karriereleiter.


Auch mir gelingt das viel zu selten. Von „unverschämt lässig“ bin ich noch meilenweit entfernt. Aber ab und zu schaff ich es, schließe die Augen, und lasse los – so wie auf diesem Bild.

Im Prinzip ist dies ein Erinnerungsbild:

Es soll daran erinnern, von Zeit zu Zeit fünfe grade sein zu lassen.

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