Kunsttherapie

Kunsttherapeutin - dies ist mein eigentlicher Beruf.

Seit März 2016 bin ich zertifizierte Kunsttherapeutin DGKT e.V*.,

und auch wenn dies eine private Homepage ist, so sei diesem Umstand doch zumindest ein kleines Kapitel gewidmet, da es nunmal zu meiner Biografie dazu gehört.

*= Deutsche Gesellschaft für künstlerische Therapien e.V.

Man wird unschwer erkennen können, dass die Bilder hier ganz anders sind, als die auf den übrigen Seiten, denn Kunst und Kunsttherapie sind zwei verschiedene Paar Stiefel.

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Aber genau das macht es ja umso interessanter. Worin die Unterschiede liegen, ist in dem untenstehenden Text beschrieben.

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Julia Moll-Rakus, März 2015, Freiburg i.Br.

"Seit 2012 habe ich ein neues Kapitel der Kunst aufgeschlagen. Ein Kapitel, mit dem ich mich bis dato noch nie richtig beschäftigt hatte, und das mir deshalb eher unbekannt war, nämlich das vielfältige und äußerst aufschlussreiche Gebiet der Kunsttherapie. Nun blättere ich es neugierig durch und staune von Seite zu Seite mehr über das, was mir da jahrelang entgangen ist.

Doch man lernt ja bekanntlich nie aus, und dass ich jetzt, mit 47 Jahren noch mal die Schulbank drücke, um in Freiburg Kunsttherapie zu studieren, ist weniger erstaunlich, als es auf den ersten Blick aussieht. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass es solange gedauert hat. Schließlich vereinen sich hier zwei Themenbereiche, die mich seit jeher fasziniert haben, Kunst und Psychologie; aber manchmal braucht es eben einen Anstoß von außen, um auf das Naheliegende zu kommen. Fest steht nur eines: je länger ich mich damit befasse, desto mehr fühle ich mich bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

 

Allerdings fühle ich mich im Studium manchmal wie so eine Art Geisterfahrer:

Von dort, wo ich hin will, kommen mir viele entgegen, die dahin möchten, wo ich herkomme.

Die meisten meiner MitstudentInnen kommen aus dem pädagogischen, sozialen oder psychologischen Bereich, und viele Dinge, die mir so vertraut sind, dass ich schon gar nicht mehr drüber nachdenke, lernen sie erst kennen, umgekehrt sauge ich nun Informationen auf, die ihnen schon längst zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Dass das natürlich für beide Seiten sehr spannend ist, brauche ich wohl nicht zu betonen.

 

Für mich war die Kunst erst Hobby, dann Arbeit; ich habe mich mit Perspektive und Proportionslehren herumgeschlagen, mit der griechischen Säulenordnung und mit Goethes Farbenlehre, mit der Anatomie des menschlichen Körpers und dem Goldenen Schnitt, habe in der Kunstgewerbeschule unzählige Stunden Gräser, Münsterfiguren oder Eisenwürfel gezeichnet und Farben gemischt, aufgepinselt und verglichen ... - kurzum: ich habe mich der Kunst erst autodidaktisch, dann akademisch genähert, aber in erster Linie kopfmäßig, bewusst, über den Intellekt.

Gewiss, es hat mir immer auch Spaß gemacht, und bestimmt hat mir die Kunst auch in vielerlei Hinsicht geholfen; sei es, um mich zu entspannen, mich abzulenken, mich zu trösten oder zu erfreuen, aber es war mir nie klar, dass sie auch heilen kann. Und zwar tatsächlich heilen, im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Und nun lerne ich dieses Thema Kunst, das mich doch schon so lange begleitet, von einer ganz anderen Seite her kennen. Einer Seite, bei der es nicht darauf ankommt, ob die Proportionen stimmen, ob die Perspektive richtig oder falsch, die Ähnlichkeit getroffen oder nicht getroffen ist. Der Kritiker im Kopf, der immer ungefragt beurteilt, ob etwas schön ist oder nicht, ob es anderen gefällt oder nicht, ja, ob es sich vielleicht gut verkaufen lässt oder nicht - dieser Kritiker wird kurzerhand von seinem Dienst suspendiert.

Und das ist sehr sehr sehr befreiend. Ich hatte zuerst befürchtet, dass mir die Umstellung schwer fallen, dass ich es nicht schaffen würde, den "Kopf frei zu bekommen" - aber das war seltsamerweise nicht der Fall, im Gegenteil, ich konnte mich vom ersten Moment an fallen lassen und habe es genossen, dem inneren Kritiker einmal ungeniert das Maul zu stopfen. Das lag zum einen an den Lehrern, die von Anfang an klar machten, worauf es bei der Kunsttherapie NICHT ankommt (nämlich auf Perfektion und Leistung), als auch an der sehr vertrauensvollen Atmosphäre in unserer Klasse (bei der ich immer noch rätsle, ob wir die Regel oder eine Ausnahme darstellen).

 

Künstlerische Beschäftigung um ihrer selbst Willen tut einem einfach gut, das spüre ich jedes Mal aufs Neue. Doch das ist noch lange nicht alles. Sich entspannen, runter kommen, Kraft schöpfen - das ist nur der Anfang. Aber Kunsttherapie kann noch viel mehr. In der Praxis mit Patienten erlebe ich immer wieder kleine Wunder. Hier bewahrheitet sich der alte Spruch: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte". Da malt ein Mensch versunken an einem Bild, lässt den Gedanken freien Lauf, denkt gar nicht groß nach, und plötzlich erscheint auf dem Papier wie von selbst die Lösung auf seine innere Frage, wird auf einmal deutlich, was sein Problem eigentlich ausmacht und was sich ändern müsste, damit er besser damit zurecht kommt. Auf einmal "sieht" er klar vor sich, was ist und was sein sollte. Es klingt paradox: Aber wenn wir weniger nachdenken hilft uns das manchmal, mehr zu verstehen.

 

Ich bin kein Esoterik-Typ (und werde auch nie einer sein). Ich denke, ein gesundes Maß an Skepsis sollte man immer im Handgepäck mit sich führen, egal wo man sich im Leben gerade befindet.

Dementsprechend hüte mich davor, irgendwelche spektakulären Botschaften in Bilder hinein zu interpretieren, die letztendlich nur auf meinen eigenen subjektiven Mutmaßungen beruhen.

Auch wenn sich manche Leute das so vorstellen - aber so funktioniert Kunsttherapie nicht. Kann sie auch nicht, weil jeder Mensch seine eigene Symbolik hat: Der eine malt eine menschenleere Landschaft, weil er sich nach Ruhe sehnt, der andere, weil ihn die Einsamkeit plagt.

Einen allgemeingültigen Geheimcode, mit dem der Therapeut alle unbewussten Ängste und Sehnsüchte seiner Patienten pauschal entschlüsseln kann, (womöglich gleich noch mit dem dazugehörigen Lösungsweg) gibt es nicht, kann es gar nicht geben.

(Und das ist auch gut so. Ich selbst hätte als Patient auch keine Lust, bei jedem Strich, den ich zeichne, jedem Klecks, den ich male, in diese oder jene Schublade gesteckt zu werden).

Solch ein Vorgehen wäre nicht nur unseriös, sondern auch sehr fehlerhaft.

 

Das Erstaunliche aber ist, dass es trotzdem funktioniert. Aber eben nicht, weil der oder die Therapeutin anhand des Bildes etwas "herausfindet". Nein, er oder sie kann immer nur anstupsen, anregen, vorschlagen.

Das wirkliche "Wunder" besteht vielmehr darin, dass es der Patient selbst ist, der die Lösung eines Problems bereits in sich trägt. Das ist zumindest die Erfahrung, die ich immer wieder in meinen Praktikumsstunden mache. Eine sehr beruhigende Erfahrung, wie ich finde. Salopp könnte man sagen: Wir sind viel klüger, als wir denken (können). Oder genauer: Unser Unterbewusstsein weiß oftmals viel besser, was uns gut tut, als unser bewusster Verstand. So erklärt sich auch, warum wir manchmal trotz intensivem Nachdenken und Grübeln nicht weiterkommen, nicht einmal durch gute Gespräche mit einem verständnisvollen Gegenüber. Wir stecken fest in der Welt der Worte.

Die Sprache der Bilder hingegen ist viel direkter, intuitiver, emotionaler. Darum kann sich dort etwas offenbaren, was man mit Worten, Verstand, Logik vergeblich sucht.

 

Ich bin gespannt, wie sich diese Erfahrung auf meine eigene Malerei auswirken wird.

Es ist auf jeden Fall interessant und es macht auch Spaß, beide Herangehensweisen miteinander zu vereinen, die alten Erfahrungen mit den neuen zu kombinieren. Es gibt meiner Inspiration und Motivation jedenfalls noch mal einen gewaltigen Schub. Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und allen, die mich dahingehend unterstützt und ermutigt haben, sehr sehr dankbar."