Drucktechniken

Linoldruck?!

Im Ernst jetzt?

Wird das überhaupt noch von jemandem betrieben, ausgenommen vielleicht von irgendwelchen unschuldigen Zweitklässlern im Werkunterricht, deren vegane Lehrerin sich aus ethischen Gründen dem obligatorischen Kartoffeldruck verweigert?

Ist das nicht hoffnungslos veraltet?

Wo doch allein die Bezeichnung schon so verstaubt klingt, so nach 70-er-Jahre-Mief, nach Makramee-Eulen und Perlenvorhängen, nach Peddingrohrflechten und Kerzenziehen ...

Nun, ich mag´s.

Und ich find´s auch nicht altmodisch.

Eher retro.

Und ich kann mir vorstellen, dass es

wieder an Beliebtheit gewinnt.

 

Warum?

Linoldruck, Akt, roter Grund.jpg
Ich werde warten farbig Kopie.jpg

Gerade weil es so unscheinbar daher kommt:

Raues Papier,

gebrochene Farben,

kantige Formen,

grobe Struktur.

Es ist dieses Handwerkliche, Ungeschliffene, das den Linoldruck zu einer Methode macht, die ehrlich auf mich wirkt. Ehrlich und unprätentiös.

 

Und das mag ich.

Meine kleine traurige  Nixe....

Als wäre ihre Stimmung nicht schon melancholisch genug,

weil der doofe Prinz sie so schändlich ignoriert,

ist mir zu allem Übel auch noch kurz vor Schluss das Schnitzmesser weggerutscht, und jetzt hat sie eine kleine weiße Narbe überm linken Auge...

Aber genau das ist es, was mir

am Linoldruck so gefällt!

Nein, nicht das eh schon gestrafte Meerjungfrauen auch noch eine über´s Auge kriegen, und auch nicht, dass einem beim Arbeiten hin und wieder das Messer wegrutscht... nein, es ist der Gegensatz, der mir so gefällt:

Ein emotinales, ein sensibles Thema in groben und kantigen Formen zum Ausdruck zu bringen.

Meerjungfrau.JPG

Hätte ich die kleine Meerjungfrau in Öl gemalt, in zarten Farben und mit weichen Übergängen - dann wäre sie hoffnungslos kitschig geworden. So hingegen sind die Formen hart und die Linien rau wie das Meer - und die arme Meerjungfrau trauert umso ehrlicher.

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01.jpg

Eine Monotypie ist ein Druck, den es nur ein einziges Mal gibt (griech. monos = ein, einzig, allein).

Dazu wird eine Glasplatte mit Farbe eingewalzt, auf die noch feuchte Farbe wird ein Papier gelegt, und dann mit spitzem Gegenstand freihand ein Motiv "gemalt", welches dann auf der Rückseite zu sehen ist - spiegelverkehrt, versteht sich.

Jetzt mag sich natürlich der eine oder die andere fragen: "Warum malt man dann nicht gleich direkt auf das Papier? Wozu das umständliche Prozedere?"

Ich kann nur für mich selbst sprechen:

Weil ich die besondere Struktur mag, die so ein Druck erzeugt. Ich mag diesen geheimnisvollen, leicht verwittert wirkenden Effekt; verglichen mit einer Monotypie wirkt "normal" aufgetragene Farbe regelrecht flach.

Und ich mag die Spannung, wenn man das Blatt vom Druckstock abzieht. Es gelingt nämlich nicht jeder Druck. Der richtige Zeitpunkt spielt eine große Rolle.

Die Farbe darf nicht zu nass und nicht zu trocken sein,

der Druck beim Zeichnen nicht zu stark und nicht zu schwach.

ROTE SPITZE.jpg
Fresco Ausschnitt.jpg

Aber gerade weil es nie völlig gleichmäßig wird, wirkt es oftmals besonders geheimnisvoll, wie ein altes,

gerade eben erst freigelegtes

Fresko.

Die Entscheidung.jpg

"Die Entscheidung"

2014

Aufmerksamen Betrachtern wird nicht entgangen sein, dass diese Dame nach der gleichen Vorlage entstand, wie beim Linoldruck oben. Nur die Kopfhaltung ist eine andere.

Ich habe dieses Bild kurz nach einem Besuch im Beyeler-Museum Riehen gemalt.

Odilon Redon hieß der Maler, der mich dabei so inspirierte...

- ich glaube, man sieht´s.

Shit happens6.jpg
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055 Sheila, (ca. 10 x 10 cm) 2008 2.jpg

Manchmal kombiniere ich auch verschiedene Drucktechniken miteinander, wie man an diesen Beispielen sieht